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Warum wir stolz auf unseren Beruf sein können

No one likes us, we don`t care!

(Keine mag uns, aber das kümmert uns nicht!)

Was eigentlich das Fan-Motto des englischen  FC Millwall ist, sollten auch wir uns in der Sicherheitsbranche zu Herzen nehmen.

 „Nachtwächter“, „dicke Arme, nichts im Hirn“, „zu blöd für einen richtigen Job“. Solche Aussagen hört man als Sicherheitsmitarbeiter und Sicherheitsmitarbeiterin fast täglich.

 

Die Medienberichterstattung ist voll von negativen Schlagzeilen über vorbestrafte Sicherheitsmitarbeiter, Unternehmen die Mitarbeiter ausbeuten und Auftraggeber betrügen.

 

Und sicherlich liegt in unserer Branche einiges im Argen.

 

Die Arbeitsbedingungen und Arbeitszeiten sind oft hart. Die Gehälter niedrig.

 

Die Anerkennung durch die Gesellschaft ist fast nicht vorhanden.

 

Führungskräfte sind häufig nicht ausreichend in Menschenführung geschult und mit den komplexen Anforderungen überfordert.

 

Das wissen wir alle. Darauf herum zu reiten macht nichts besser.

 

Genau deshalb möchte ich hier ein positives Zeichen setzen und alle Kolleginnen und Kollegen ermutigen, ihre Arbeit mir Würde und Stolz zu verrichten und dies nach außen auch zu zeigen.

Wir sind überall

2017 arbeiteten laut BDSW 257.790 Sicherheitsmitarbeiter in Deutschland.

 

Als Vergleich dazu liegt die aktuelle Personalstärke bei der Bundeswehr bei 180.997 aktiven Soldaten.

 

In den Landespolizeien leisten 220.813 Beamte ihren Dienst. Die Bundespolizei hat eine derzeitige Sollstärke von ca 42.000 Beamten (32.270 Vollzugsbeamte) und der Zoll kommt auf eine Stärke von 39.000 Beamten.

 

Alleine diese Anzahl lässt erkennen, dass ohne uns die Aufrechterhaltung der Sicherheit in Deutschland heute nicht mehr möglich ist.

Wir arbeiten in Diskotheken, Flughäfen, Kernkraftwerken, Chemiefabriken, an Bahnhöfen und auf öffentlichen Plätzen. Ohne uns gibt es keine Fußballspiele und kein Oktoberfest. Konzerte und Festivals sind ohne uns nicht denkbar.

 

Wir sitzen in Parkhäusern und Behörden. Neuerdings sorgen wir auch auf Weihnachtsmärkten für Sicherheit.

 

Wir transportieren täglich Millionenwerte vom Einzelhandel zu Banken.

 

Wir sorgen für die Sicherheit der Passagiere auf Kreuzfahrtschiffen.

 

Wir stehen in jedem Einkaufszentrum und Kaufhaus um Ladendieben einen Strich durch die Rechnung zu machen.

Wir sind ein Kostenfaktor

Sicherheit kostet Geld. Wenn ein Mitarbeiter mit Sachkundeprüfung 10,20€/h bekommt, wird dafür dem Auftraggeber ca. 20,-€ oder mehr in Rechnung gestellt.

 

Es kostet ein Unternehmen also ca. 175.000,-€ pro Jahr, wenn sie 24h einen Mitarbeiter vor Ort haben möchte.

 

Kein vernünftig denkender Unternehmer würde diese Ausgaben tätigen, wenn sie sich nicht lohnen würden.

 

Während ein Produktionsmitarbeiter aktiv an der Wertschöpfung eines Unternehmens beteiligt ist, produzieren wir Sicherheitsmitarbeiter keine Güter. Doch ohne uns wäre eine geordnete Produktion nicht möglich.

 

Wir sorgen dafür, dass keine LKW mit Sicherheitsmängeln aufs Werk fahren

 

Wir sorgen dafür, dass die Chefetage nicht mit ungebetenen Besuchern belästigt wird.

 

Auf unseren Streifen sorgen wir dafür, dass die Hausordnung und Arbeitsschutzmaßnahmen eingehalten werden und verhüten so Unfälle und Produktionsausfälle.

 

Alleine die Tatsache, dass Unternehmen Sicherheitsmitarbeiter bezahlen zeigt dass wir eine wichtige Funktion haben, die sich für das Unternehmen rechnet.

Sicherheit kann nicht nach China outgesourced werden.

Wir sind das Auge in der Nacht

Während die Produktionsmitarbeiter schlafen sorgen wir dafür, dass auch nachts niemand unbefugt das Gelände betritt.

 

Wir schalten die Alarmanlagen scharf und sind noch vor der Polizei vor Ort, wenn diese einen Einbruch melden.

 

Wenn Jugendliche am Wochenende in der Disco feiern, können sich die Eltern in Ruhe entspannen. Denn in Zwischenzeit sorgen wir dafür, dass ihre Kinder friedlich feiern können.

 

Wir halten gewaltbereite Personen von Discotheken und Lokalen fern und setzten Personen vor die Tür, die drinnen randalieren und die Sicherheit der Gäste beeinträchtigen. Wir verhindern so jedes Wochenende unzählige Straftaten wie Körperverletzung, sexuelle Belästigung, Diebstahl und Sachbeschädigung.

 

Wir sehen nach, ob nach Feierabend auch wirklich alle Maschinen abgestellt sind, keine Kaffeemaschine mehr läuft und ob auch alle Fenster geschlossen sind. Dadurch haben wir schon unzählige Brände und Einbrüche verhindert und für den Auftraggeber die Kosten für Energie und Heizung gesenkt.

 

Allein unsere Präsenz reicht oft schon aus, damit sich Straftäter ein anderes Ziel suchen.

Die älteste Tätigkeit der Menschheit

 Eine organisierte Polizei im Dienste des Staates gibt es ungefähr seit dem 16. Jahrhundert. Zuvor hat die Leibwache des Herrschers oder das Militär diese Aufgabe übernommen.

 

Stehendes Militär gibt es seit der Antike.

 

Doch schon seit der Steinzeit haben die Menschen ihr Leben und ihren Besitz beschützen müssen. Nachtwache und Streifenläufe haben damals wie heute zu den Tätigkeiten gehört.

 

Auch der Aufbau der Sicherheit aus mechanischem Grundschutz, Detektion und Personellen Maßnahmen ist seit der Steinzeit unverändert.

Während es heute Panzerglas und Detektionskameras gibt, die bei Alarmierung in Echtzeit Bilder aus verschiedenen Winkeln übertragen, gab es damals ein Lagerfeuer, einen Hund oder Gänse und einen Palisadenzaun. Das System war das selbe.

 

Ohne Schutz vor Raubtieren und Feinden wäre die Gründung erster Städte nicht möglich gewesen.

 

Während das Römische Imperium durch seine Legionen zum Weltreich heranwuchs saßen auf den Türmen des Limes die Auxilliares. Hilfstruppen, die aus den anliegenden Regionen angeheuert wurden. Ihre Aufgabe war es, die Wachtürme zu besetzen, bei Feindkontakt Alarm zu geben und das Vorfeld von Pflanzenwuchs freizuhalten. Nur durch ihre Unterstützung konnte ein Weltreich entstehen.

 

Ohne Sicherheit kann eine Gesellschaft keinen Wohlstand erschaffen. Und ohne Wohlstand ist keine Freiheit und keine Kultur möglich.

 

Mit einem Wort: Ohne uns ist Zivilisation nicht möglich.

Wir sind keine Superhelden

 „Security – weil auch die Polizei Helden braucht“.

 

Diesen Spruch habe ich mal auf einem T-Shirt gesehen. Er mag witzig sein, aber auch albern.

 

Natürlich haben wir nicht den Ausbildungsstand eines Polizeibeamten. Den brauchen wir auch nicht, da wir unterschiedliche Aufgabenbereiche haben.

 

Wir begeben uns auch nicht wissentlich in solche Gefahren wie Feuerwehrleute oder Soldaten.

 

Und wir retten nicht täglich Leben wie die Mitarbeiter in den Rettungsdiensten.

 

Wir sind ganz normale Menschen, die jeden Tag zur Arbeit gehen und dadurch unseren Auftraggebern einen wertvollen Dienst erweisen. Keiner von uns muss sich größer machen als er ist.

Denn das was wir tun, ist für sich alleine wertvoll und wichtig.

Verantwortungsvoller Dienst an der Gesellschaft

Unsere heutige Gesellschaft genießt eine Freiheit wie noch nie zuvor in der Geschichte. Wir können billig um die Welt reisen und an den Wochenenden stehen unendliche gastronomische, kulturelle oder sportliche Veranstaltungen zur Verfügung. Alles was wir zum Leben benötigen können wir in kürzester Zeit kaufen.

 

Ohne uns Sicherheitsmitarbeiter wäre dies nicht möglich.

 

3.700 Mitarbeiter sorgen täglich für die Sicherheit an deutschen Bahnhöfen und sind regelmäßig Konfrontationen ausgesetzt.

 

Im Jahr 2014 haben Sicherheitsmitarbeiter an Flughäfen 339.623 verbotene Gegenstände bei Gepäckkontrollen gefunden. Darunter waren 1.100 Schusswaffen und 5.770 Sprengstoffe.

 

Wir bewachen die Kasernen der Bundeswehr um unsere Soldaten zu entlasten, damit sie sich besser auf ihre Einsätze vorbereiten können und am Wochenende öfter zu Hause sind. Gleiches gilt für die Kasernen der Polizeien und Liegenschaften der Justiz

 

Für die US-Streitkräfte bewachen wir Wohnkasernen in der Größe von Kleinstädten, mit Schulen, Einkaufszentren, Kirchen, Kinos und Flughäfen, in denen Tausende Soldaten mit Ihren Familien sicher wohnen, während die Sicherheitsmitarbeiter an den Toren ungebetene Personen fernhalten, betrunkene Autofahrer stoppen und die Überwachung des Vorfeldes übernehmen.

 

Wenn Nachts jemand in eine Chemiefabrik einbricht, sind wir längst vor Ort, bevor die Polizei kommt.

 

Ohne private Sicherheitsdienste könnte die Bundesliga keine Spiele veranstalten und große Festivals wie Rock am Ring könnten nicht stattfinden.

 

Wir kontrollieren die Besucher auf verbotene Gegenstände, sichern Fluchtwege bei Evakuierungen, halten Zufahrten für Feuerwehr und Rettungsdienste frei und weisen Helfer vor Ort ein.

 

Damals wie heute – Ohne uns ist Zivilisation nicht möglich.

Seid stolz!

Ich fordere alle Sicherheitsmitarbeiter auf, stolz auf ihre Tätigkeit zu sein.

 

Sicherlich gibt es stumpfsinnige und langweilige Tätigkeiten in der Branche, die nicht besonders anspruchsvoll sind.

 

Aber wem es zu langweilig ist, im Parkhaus vor dem Bildschirm zu sitzen, dem steht in unserer Branche alles offen. Personal wird quasi überall gesucht.

 

Geschimpft und gemeckert wird überall. Aber egal wo ich bisher gearbeitet habe, Die meisten Sicherheitsmitarbeiter, die ich kenne, machen Ihre Arbeit nicht wegen dem Geld. Erstaunlich viele üben diesen Beruf wirklich aus Idealismus aus. Weil das Beschützen von Leben und Eigentum ein tiefes Bedürfnis ist, das sie glücklich macht.

 

Leider trauen sich diese Mitarbeiter oft nicht dies offen zuzugeben, da der Ruf der Branche nicht der beste ist und der Ton nur zu oft von einigen lauten Nörglern angegeben wird.

 

Wie soll die Branche besser werden, wenn die guten Leute schweigen?

 

Sagt offen, dass ihr euren Beruf liebt und dass ihr in jederzeit wieder wählen würdet. Ihr werdet sehen, dass ihr nicht alleine seid.

 

Nur wenn die guten Leute aufstehen und zusammenarbeiten, lassen sich auf Dauer gute Löhne durchsetzen und die alte Garde an Führungskräften absetzen, die mit ihrer Menschenführung im letzten Jahrhundert hängen geblieben sind.

 

Egal ob wir von der Gesellschaft Respekt oder Unterstützung bekommen oder nicht, sollten wir stolz auf unsere Berufung sein.

Viele gesellschaftlich wichtige Berufe bekommen zu wenig Respekt. Soldaten, Alten- und Krankenpfleger, Polizeibeamte, Arzthelfer,innen etc.. Auch wir Sicherheitsmitarbeiter werden häufig nicht respektiert.

So lange wir selbst wissen, dass unsere Arbeit wertvoll ist und wir uns gegenseitig als Kollegen Respekt zollen sollte uns das egal sein.

 

Geht raus, macht eure Arbeit gut! Seid stolz darauf für Sicherheit sorgen zu dürfen!

 

 

Quellen:

 

BDSW- Zahlen, Daten, Fakten

 Bundespolizei

 Polizeitests.de
Bundesfinanzministerium

 Bundeswehr

 WaSi-NRW

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