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Einsatz von Hunden im Sicherheitsgewerbe

Immer wieder erreichten mich Fragen dazu wie man Hundeführer bei einem privaten Sicherheitsunternehmen werden kann und ob sich diese Ausbildung lohnt.

Selbst habe ich nie als Hundeführer gearbeitet und kann deshalb nur aus der Theorie berichten, was aber nicht der Standard ist, denn ich hier leben möchte.

 

Deshalb freue ich mich, dass ich mit Karl-Heinz Klöpper einen international anerkannten Experten für Diensthunde, mit 40 Jahren Diensthund-Erfahrung im behördlichen und privaten Bereich, dazu bringen konnte, mir bei diesem Artikel zu helfen.

Ich danke dir vielmals für die Hilfe und widme dir diesen Artikel.

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Security mit Hund
Hundeführer mit Dienshund

Welche Ausbildung muss ein Diensthundführer in Deutschland haben?

Es gibt in Deutschland keine klaren gesetzlichen Regelungen in Bezug auf die Diensthundausbildung und die Ausbildungsstandards für Diensthundführer (DHF) im privaten Wach- und Sicherheitsgewerbe.

 

Der Berufsgenossenschaften (BG) sind hier für diesen Bereich zuständig.

 

Die von der BG geschaffene „DGUV 23“ (Unfallverhütungsvorschrift für Wach- und Sicherheitsdienste) sieht aktuell vor, dass Diensthunde, die keine Meldehunde sind, eine entsprechende Prüfung nachweisen müssen, z.B. aus dem Hundesport.

 

Der Hundesportverein RSV 2000 e.V. zum Beispiel hat diese Lücke gefüllt und hat eine Prüfungsordnung für Diensthundführer erarbeitet, welche von der BG anerkannt wird, bzw. den Anforderungen der DGUV 23 entspricht.

 

Diese Prüfungsordnung betrifft aber nur die Ausbildung der Hunde für den Schutzhundbereich.

 

Da im privaten Wach- und Sicherheitsgewerbe aber auch Hunde im Spürhundbereich (z.B. im als Sprengstoffspürhund) geführt werden, müsste die DGUV 23 diesbezüglich eigentlich nachgebessert werden. Denn die Prüfung und Ausbildung der Hunde im Spürhundbereich ist bisher nicht eindeutig geregelt. Ratsam wäre hier eine Orientierung an den Vorschriften des Luftfahrtbundesamtes.

 

Welche Lehrgänge und Standards gibt es?

Bisher gibt es nur die Standards der Berufsgenossenschaft, festgelegt in der DGUV 23.

 

Standards für Hunde (DGUV 23 - § 12 Hunde)

(1) Als Diensthunde dürfen nur geprüfte Hunde mit Hundeführern eingesetzt werden. Hunde, die für die Aufgabe nicht geeignet sind, die zur Bösartigkeit neigen oder deren Leistungsstand nicht mehr gegeben ist und die dadurch Personen gefährden können, dürfen nicht eingesetzt werden.

 

(2) Abweichend von Absatz 1 dürfen auch ungeprüfte Hunde zu Wahrnehmungs- und Meldeaufgaben eingesetzt werden, wenn hierbei der Führer seinen Hund unter Kontrolle hat.

 

(3) Eine Überforderung der Hunde durch Ausbildung und Einsatz ist zu vermeiden.

 

Als Diensthunde sind nur Hunde geeignet, die für die vorgesehenen Aufgaben ausgebildet sind, eine entsprechende Prüfung mit Erfolg abgelegt haben und deren Eignung bei Bedarf, mindestens jedoch einmal jährlich, erneut geprüft wird.

 

Angemessene Qualifikationen sind z. B. Gebrauchshundprüfungen entsprechend der Schutzhundprüfung A sowie Diensthundprüfungen der Bundeswehr, des Bundesgrenzschutzes, der Polizei und des Zolls.

 

Ein aus Hundeführer und Hund bestehendes Team, das seine Befähigung nicht gemeinsam nachgewiesen hat, ist für Schutzaufgaben erst einsetzbar, wenn der Hundeführer den Hund so unter Kontrolle hat, dass er ihn in der Unterordnung und in den Teilen des Schutzdienstes beherrscht, die dem Aufgabenspektrum des Teams entsprechen, z. B. Personenkontrolle, Abwehr eines Überfalls, Eigenschutz.

 

Voraussetzungen für den Einsatz ungeprüfter Hunde sind, dass die Hunde nur für Wahrnehmungs- und Meldeaufgaben, nicht jedoch für darüber hinausgehende Schutzaufgaben verwendet werden.

Weiterhin dürfen die Hunde nicht bösartig sein und müssen sich ihrem Führer eindeutig unterordnen.

 

Durch übermäßige Ausbildung und Einsatz kann es vorkommen, dass Hunde überfordert werden und dadurch nicht mehr für die Aufgabe geeignet sind. Sie können dann sowohl den Hundeführer als auch andere Personen gefährdet.

 

 

Durch folgende Maßnahmen kann die Überforderung des Hundes vermieden werden:

  • Ausbildungs- und Trainingsinhalte sollten sich an der Veranlagung und am Leistungsstand des Hundes orientieren und regelmäßig stattfinden.
  • Pro Trainingstag sollte der Hund maximal 15 Minuten am Stück ohne spielerische Übungen trainieren. Die spielerischen Übungen sollen die Bindung zwischen Hund und Hundeführer vertiefen.
  • Der Einsatz als Schutzhund sollte mindestens einmal pro Woche geübt werden.
  • Ein Hund sollte nicht länger als zwei Stunden eingesetzt werden. Danach ist eine Pause von ebenfalls zwei Stunden notwendig. Nach einer Fütterung sollte die Pause vier Stunden betragen. Die tägliche Gesamtbelastungsdauer aus Einsatz und Training sollte zehn Stunden nicht überschreiten.

Beim Einsatz von Leihhunden werden die Vorgaben zur Vermeidung von Überforderungen und Gefährdungen in der Regel nicht erfüllt, weil die anzustrebende Teambildung zwischen Hundeführer und Hund grundsätzlich nicht erreicht wird.

 

Standards für Hundeführer (DGUV 23 - § 15 Hundeführer)

Als Hundeführer dürfen nur Personen eingesetzt werden, die entsprechend unterwiesen worden sind und dem Unternehmer ihre Befähigung nachgewiesen haben.

 

Der Unternehmer hat dafür zu sorgen, dass ihm die Befähigung zum Hundeführer regelmäßig nachgewiesen wird. Bei nicht mehr ausreichender Befähigung ist die Befugnis zum Führen von Hunden zu entziehen

 

 

Die Befähigung zum Hundeführer setzt eine entsprechende Ausbildung und den erfolgreichen Nachweis hierüber voraus.

 

Die Befähigung kann betriebsintern dem Unternehmer oder einem von ihm beauftragten Sachkundigen nachgewiesen werden und ist mindestens jährlich erneut nachzuweisen.

 

Die Befähigung zum Hundeführer setzt neben den erforderlichen Kenntnissen und praktischen Fähigkeiten voraus, dass der Hundeführer ruhig und besonnen ist, Verständnis sowie Einfühlungsvermögen für den Hund besitzt und fähig ist, in eindeutiger Weise auf den Hund einzuwirken.

 

Sachkundiger ist, wer aufgrund seiner Erfahrungen und Kenntnisse in der Lage ist, den sicheren Einsatz von Hunden und Hundeführern zu beurteilen und zu koordinieren.

 

Dies sind z. B. Hundeführerausbilder, die ihre entsprechende Qualifikation nachgewiesen haben.

Wo kann man diese Lehrgänge besuchen?

Es gibt tatsächliche keine „offiziellen“ Lehrgänge. Größere Unternehmen im Wach- und Sicherheitsbereich können es sich leisten einen Ausbildungswart und eine Ausbildungseinheit zu beschäftigen, um Hundeführer und Hund auszubilden.

 

Die kleineren Unternehmen sind da auf sich selbst gestellt. Es bleibt ihnen nur die Möglichkeit ihre Hundeführer und ihre Hunde privat in Hundevereinen auszubilden.

 

Hierbei ist jedoch häufig problematisch, dass die Hunde dort oft nicht optimal für den beruflichen Einsatz vorbereitet werden da Vereine und ihre Ausbilder nicht die erforderliche Sachkunde für den beruflichen Einsatz der Hunde aufweisen können.

 

Einige Vereine erfüllen jedoch die Standards der BG z.B. der RSV 2000 e.V. oder der Verein für deutsche Schäferhunde e.V.

 

Es gibt vereinzelt private Anbieter in Hundeschulen oder Unternehmen, die diese Lehrgänge anbieten können und dürfen.

 

Woran erkenne ich seriöse Ausbilder und was kostet die Ausbildung?

Die kosten sind gesetzlich nicht geregelt und können sich sehr stark unterscheiden.

Seriöse Anbieter erkennt man an der Zulassung durch das zuständige Veterinäramt. Dort müssen sie zusätzlich zum normalen Hundetrainerschein eine Abnahme für die Arbeit mit Schutzhunden nachweisen.

 

Seriöse Anbieter im Bereich Spürhunde müssen entsprechende Nachweise im Umgang mit Explosivstoffen haben und die Erlaubnis nach §7 und § 20 SprengG nachweisen können.

 

Idealerweise haben sie eine Zulassung des Luftfahrtbundesamtes. Dort wird nach der EU-Richtlinie des Luftfahrtbundesamtes (Durchführungsverordnung EU 2015/1998) zur Festlegung detaillierter Maßnahmen für die Durchführung der gemeinsamen Grundstandards für die Luftsicherheit, geprüft. Diese Ausbildung und Prüfung hat Hand und Fuß und ist rechtlich haltbar.

Viele anderen Zertifikate privater Anbieter mit eigenem Stempel sind im Grunde genommen nichts wert und kosten mehrere tausend Euro.

 

Welche Spezialisierungen gibt es für Hunde?

Es gibt zahlreiche Spezialisierungen im Diensthundbereich zum Beispiel

  • den reinen Schutzhund (kann gezielt Menschen stellen, im Notfall auch angreifen und auf Befehl des Hundeführers ohne Zögern wieder ablassen)
  • den Rauschgiftspürhund (grundsätzlich nur für Behörden)
  • den Sprengstoffspürhund
  • den Geldmittelspürhund
  • den Handyspürhund (spüren Mobiltelefone auf)
  • Datenträgerspürhunde (können Elektrogeräte finden)
  • Personenspürhunde (zur Suche nach Personen "Mantrailing")
  • Leichenspürhunde (zur Suche nach toten Personen)
  • etc.

 

Dieser Bereich unterliegt den tatsächlichen aktuellen Anforderungen und ist sehr lebendig in seiner Ausgestaltung. Spürhunde können auf sehr unterschiedliche Objekte oder Substanzen trainiert werden. Der Kreativität der Hundetrainer sind hier kaum Grenzen gesetzt. Welche Art von Hund für einen Einsatz brauchbar ist, hängt sehr stark von seiner Spezialisierung ab.

 

In welchen Einsatzbereichen im privaten Sicherheitsbereich können Diensthunde eingesetzt werden?

Diensthunde können in der reinen Objektbewachung (Kaserne, Gebäude, Unternehmen, usw.) eingesetzt werden.

 

Zudem dienen sie als Hilfsmittel bei Veranstaltungen, zur Abschreckung und zur Unterstützung von Sicherheitsmitarbeitern in Notlagen.

 

Als reine Meldehunde können sie mit auf Streife genommen werden und dienen dort der Unterstützung des jeweiligen Sicherheitsmitarbeiters.

 

Im Spürhundbereich sind die Aufgaben sehr vielfältig. Vom Einsatz am Flughäfen über Bahnhöfe, bis hin zum Schutz von Veranstaltungen etc

 

Es gibt diverse Örtlichkeiten und Plätze (z.B. in der Oper oder in Hallenbädern etc.), die durch die Art ihrer Beschaffenheit nicht dazu geeignet sind, Hunde mitzuführen.

 

Welche Eigenschaften muss ich persönlich mitbringen wenn ich Hundeführer werden möchte?

Ein Diensthundführer muss einen guten Zugang zu Hunden (Tieren) haben um diese Tierschutz- und Artgerecht ausbilden und halten zu können.

 

Das kann man in der Regel nur, wenn man selbst moralisch und persönlich gefestigt ist. Dazu gehört ein entsprechendes Einfühlungsvermögen und ein sehr intuitives Händchen im Umgang mit unseren vierbeinigen Freunden.

 

Ein Hund eignet sich nicht als Aushängeschild für das eigene Machogehabe oder um Macht zu demonstrieren.

Diensthunde sind Einsatzmittel. In kritischen Situationen können sie Leben und Gesundheit des eigenen Hundeführers, von anderen Sicherheitsmitarbeitern und den zu beschützenden Personen und Gegenständen schützen. Jeder DHF kann mit einem gut ausgebildeten Hund die bestmögliche Eigensicherung schaffen.

 

Dienshundführer ist eine verantwortungsvolle Tätigkeit, die man aus Überzeugung und Leidenschaft ausübt. Finanzielle Gründe oder ein schwaches Ego sollten nicht der Antrieb sein um diesen interessanten und einzigartigen Weg einzuschlagen.

 

Willst du mehr wissen?

Karl-Heinz Klöpper arbeitet seit über 40 Jahren mit Diensthunden und hat Erfahrung im behördlichen und privaten Einsatz von Diensthunden.

 

Seinen Internetauftritt Doginare.net findest du hier >>>>

 

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