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Raub, Erpressung und Räuberische Erpressung

Raub, Erpressung und räuberische Erpressung sind Delikte, die sich auf den ersten Blick sehr ähnlich sehen.

 In der Sachkundeprüfung nach § 34a GewO oder in der Prüfung zur Geprüften Schutz- und Sicherheitskraft sorgt dies regelmäßig für Verwirrung.

Ich hoffe, ich kann diese Verwirrung hier etwas auflösen.

§249 StGB Raub


Gesetzestext (gekürzt):

Wer mit Gewalt gegen eine Person oder unter Anwendung von Drohungen mit gegenwärtiger Gefahr für Leib oder Leben eine fremde bewegliche Sache einem anderen in der Absicht wegnimmt, die Sache sich oder einem Dritten rechtswidrig zuzueignen, wird mit Freiheitsstrafe nicht unter einem Jahr bestraft (§ 249 StGB)


Der objektive Tatbestand ist erfüllt, wenn der Täter...

  1. mit Gewalt gegen eine Person oder unter Anwendung von Drohungen

  2. eine fremde bewegliche Sache

  3. in Aneignungsabsicht

  4. wegnimmt

Der Unterschied zum Diebstahl liegt hier in der Gewalt oder Drohung. Gewalt bedeutet hier, das Brechen des Widerstandes des Opfers.

 

Beispiel:

 Eine Person entreißt einer anderen Person, gegen deren Widerstand, einen Koffer. Das Opfer versucht den Koffer festzuhalten, doch der Täter ist zu stark und kann den Koffer an sich nehmen und entkommen.

 

Würde der Täter den Koffer, in einem unaufmerksamen Moment des Opfers, heimlich entwenden läge ein Diebstahl vor.

 

Da er hier jedoch mit Gewalt vorgeht qualifiziert dies die Tat zum Raub.

 

Die Erpressung hingegen funktioniert wie folgt:

§ 253 StGB Erpressung


 Gesetzestext (gekürzt):

 

Wer einen Menschen rechtswidrig mit Gewalt oder durch Drohung mit einem empfindlichen Übel zu einer Handlung, Duldung oder Unterlassung nötigt und dadurch dem Vermögen des Genötigten oder eines anderen Nachteil zufügt, um sich oder einen Dritten zu Unrecht zu bereichern, wird mit Freiheitsstrafe bis zu fünf Jahren oder mit Geldstrafe bestraft.

 

Rechtswidrig ist die Tat, wenn die Anwendung der Gewalt oder die Androhung des Übels zu dem angestrebten Zweck als verwerflich anzusehen ist. (§ 253 StGB)


 Der objektive Tatbestand der Erpressung ist erfüllt, wenn der Täter...

  1. einen Menschen mit Gewalt (auch gegen Gegenstände) oder durch Drohung mit einem empfindlichen Übel

  2. zu einer Handlung, Duldung oder Unterlassung nötigt und

  3. dadurch dem Vermögen des Opfers schadet oder ihm einen anderen Nachteil zufügt

  4. um sich oder einen Dritten zu zu bereichern

Hier wird nichts aktiv weggenommen. Statt dessen wird das Opfer dazu genötigt etwas zu tun, zu lassen oder zu dulden, dass den Täter bereichert.

 

Ein Erpresser verlangt von einer Person 10.000.000,-€.

Ansonsten will er ein Video im Internet veröffentlichen auf dem das Opfer betrunken und halb nackt verfassungsfeindliche Parolen grölt.

Die Person hat Angst, durch dieses Video berufliche und private Probleme zu bekommen und bezahlt deshalb die Summe.

 

Die Drohung ist hier die Ankündigung der Veröffentlichung des Videos. Das Opfer wird genötigt Geld zu zahlen, was ein Schaden an seinem Vermögen darstellt. Das ganze geschieht um den Täter zu bereichern. Es liegen also alle Voraussetzungen für die Erpressung vor.

 

Aktive Gewalt muss nicht vorliegen um eine Erpressung zu begehen.

 

Die Räuberische Erpressung ist eine verschärfte Form der Erpressung.

§ 255 StGB Räuberische Erpressung


 Gesetzestext:

 

Wird Erpressung durch Gewalt gegen eine Person oder unter Anwendung von Drohungen mit gegenwärtiger Gefahr für Leib oder Leben begangen, so ist der Täter gleich einem Räuber zu bestrafen. (§ 255 StGB)


 Der objektive Tatbestand ist erfüllt, wenn der Täter eine Erpressung...

  1. durch Gewalt gegen eine Person (Gewalt gegen Gegenstände zählt hier nicht) oder

  2. unter Anwendung von Drohungen mit gegenwärtiger Gefahr für Leib oder Leben

begeht.

Grundsätzlich wird hier eine Erpressung begangen. Das Opfer wird genötigt etwas zu tun, zu dulden oder zu unterlassen um dadurch eine andere Person zu bereichern.

 

Bei der normalen Erpressung kann diese Nötigung durch jede erdenkliche Form von Gewalt oder Drohung geschehen.

 

Um eine Räuberische Erpressung zu begehen muss sich die Gewalt gegen eine Person richten oder eine Drohung gegen Leben oder Gesundheit des Opfers vorliegen. Drohungen anderer Art oder Gewalt gegen Gegenstände reichen nicht aus.

 

Eine Person zwingt das Opfer mit vorgehaltener Schusswaffe, einen Tresor zu öffnen und ihm den wertvollen Inhalt zu übergeben.

 

Hier wird mit einer Anwendung von Gewalt gedroht, wenn das Opfer keine bestimmte Handlung durchführt (Öffnung des Tresors und Herausgabe des Inhaltes). Eine Bedrohung mit einer Schusswaffe ist definitiv eine Drohung gegen das Leben.

 

Anderes Beispiel:

Eine Person bedroht eine andere mit einem Stock und spricht: „Gib mir deine Kleidung, deine Stiefel und dein Motorrad!“

 

Auch hier wird mit Gewalt gedroht. Eine Drohung mit einem Stock ist zwar nicht zwangsläufig eine Drohung gegen das Leben, aber zumindest gegen die körperliche Unversehrtheit.

 

In dem nächsten Fall geschieht die Nötigung nicht durch eine Drohung, sondern durch offene Gewalt:

 

Eine Person schlägt immer wieder auf das Opfer ein und ruft dabei: „Gib mir dein Geld!“. Der Täter wiederholt das ganze so lange, bis das Opfer seinen Geldbeutel aushändigt.

Zusammenfassung Raub, Erpressung, Räuberische Erpressung

Beim Raub wird Gewalt oder eine Drohung angewandt um etwas wegzunehmen.

 

Bei einer Erpressung wird Gewalt oder eine Drohung angewandt um eine Handlung, Unterlassung oder Duldung zu erzwingen, die den Täter auf Kosten des Opfers bereichert.

 

Bei der Räuberischen Erpressung wird Gewalt gegen eine Person oder eine Drohung mit gegenwärtiger Gefahr für Leib oder Leben angewandt, um eine Handlung, Unterlassung oder Duldung zu erzwingen, die den Täter auf Kosten des Opfers bereichert.

 

Bei Raub nimmt der Täter aktiv etwas weg.

 

Bei Erpressung und räuberischer Erpressung zwingt der Täter das Opfer etwas herauszugeben.

 

Wer den Unterschied zwischen dem gewaltsamen Wegnehmen und dem erzwungenen Geben verstanden hat, wird in Zukunft weniger Probleme haben, diese drei Delikte auseinander zu halten.


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