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Einbruchdiebstahl aus Sicht der Täter

 

Studie zu Einbruchdiebstählen

 

Für heute habe ich eine für Sicherheitsmitarbeiter und Interessierte hochinteressante Studie zum Thema Einbruchdiebstahl aufbereitet. Die Studie wurde im Dezember 2012 in vom Department of Criminal Justice & Criminology an der University of North Carolina, USA durchgeführt.

 

Für diese Studie interviewten die Wissenschaftler 422 zufällig ausgewählte inhaftierte Einbrecher beiderlei Geschlechtes in den USA.

Die meisten der befragten Personen waren Wiederholungs- und Intensivstraftäter. Bei lediglich 54% von ihnen war Einbruchsdiebstahl das höchste Verbrechen, zu dem sie verurteilt wurden. Die anderen 46% wurden unter anderem zusätzlich wegen Mord, Raub, Körperverletzung oder ähnlich schwerwiegenden Straftaten verurteilt.

 

Ziel der Studie war die Beantwortung folgender 5 Fragen:

 

  1. Was waren die Motive für den Einbruch?

  2. Welche Faktoren wurden bei der Zielauswahl berücksichtigt?

  3. Was hält Einbrecher davon ab, bestimmte Ziele anzugreifen?

  4. Welche Techniken und Werkzeuge nutzen Einbrecher bei ihrer Tat?

  5. Gibt es geschlechtsspezifische Unterschiede in Motivation, Auswahl des Zieles und Technik?

 

Dies ist eine Zusammenfassung der Antworten:

 

Was waren die Motive für den Einbruch

 

Die Untersuchung legt nahe, dass es zahlreiche Gründe für Einbruchsdiebstahl gibt und die Gründe sehr multikausal und individuell sind (Es gibt also nicht „Die eine Ursache“). Häufige Gründe waren Drogen- oder Alkoholsucht, Geld, Leichtsinnigkeit oder auch Nervenkitzel

 

Es fällt aber auf, dass 45% der Täter angaben, dass sie den Einbruch begingen um sich Drogen zu beschaffen. 33% gaben als Grund Geld an, wovon die meisten das Geld benötigten um sich ebenfalls ihre Drogen- oder Alkoholsucht zu finanzieren.

 

Als die Straftäter gefragt wurden, wofür die das Geld, das sie durch die Einbrüche erhielten, hauptsächlich ausgaben (mehrere Antworten möglich) antworteten 64% mit Drogen oder Alkohol, 49% Lebenshaltungskosten, 35% Partys feiern, 31% Bekleidung und Schuhe, 17% Geschenke und 5% mit Glücksspiel.

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Welche Faktoren wurden bei der Zielauswahl berücksichtigt?

 

Die meisten der Befragten berichteten, dass sie in mindestens ein Gebäude pro Jahr einbrachen, bevor sie festgenommen wurden.

 

In der Regel wurde als Flucht- und Transportmittel ein Fahrzeug benutzt, dass entweder ihnen selbst, oder einem Freund oder Verwandten gehörte. In nur 12% wurde ein gestohlenes Fahrzeug benutzt.

 

Bei der Zahl der, für den Einbruch zurückgelegten, Strecke gab es große Abweichungen, Während manche über 400km zurückgelegten fuhren andere nur einige Wenige Straßenblocks.

 

Nur etwas weniger als ein Drittel gab an, vor dem Einbruch Informationen über das Ziel zu sammeln. Bis zu einem bestimmten Grad, scheint Einbruchsdiebstahl vor allem eine impulsiv begangene Tat zu sein.

 

Gerade einmal 12% gaben an, dass Sie die Einbrüche gezielt geplant haben. 41% begangen hauptsächlich spontane Taten. 37% antworteten, dass sie manchmal planten aber manchmal auch affektiv handelten.

 

Wenn Einbrüche gezielt geplant wurden benötigten 49% etwa einen Tag und 16% ein bis drei Tage Zeit um Informationen zu sammeln. Der Rest nutzte weniger Zeit.

 

Es gab keine signifikanten Unterschiede in Bezug auf die Drogenabhängigkeit zwischen denjenigen, die bewusstere Planer waren, und denen, die dies nicht taten.

 

Jeweils ein Viertel der Täter gab an, nur alleine zu arbeiten bzw. niemals alleine zu arbeiten. Die restlichen 50% wechselten zwischen Einzeltäterschaft und gemeinschaftlichem Begehen. Wurden die Taten von mehreren Personen begangen, dann waren die Mittäter in den meisten Fällen Freunde und/oder Lebenspartner. In 12% der Fälle waren es Familienmitglieder.

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Was hielt die Täter ab, bestimmte Ziele anzugreifen?

 

Die wichtigsten Faktoren, die die meisten Täter berücksichtigten waren anwesende Personen (einschließlich Straßenverkehr, Fußgänger, Nachbarn, Personen in der Einrichtung und Polizeibeamten), Mangel an Fluchtwegen und Anzeichen erhöhter Sicherheit (Alarmanlagen, Alarm, Hunde und Kameras etc.).

 

60% aller Täter gaben an, dass sie bei erkennbaren Sicherheitsvorkehrungen ein alternatives Ziel gewählt haben. Dies war insbesondere, bei Tätern der Fall, die die Taten ausgiebig planten.

 

Wurde erst beim Einbruch selbst die Alarmanlage festgestellt wurde der Einbruch in 50% der Fälle abgebrochen.

 

Welche Techniken und Werkzeuge nutzen Einbrecher bei ihrer Tat?

 

Die meisten Einbrecher berichteten, dass sie entweder offene Türen und Fenster nutzten, oder diese aufbrachen. Nur ca. 12% gab an Schlösser zu knacken oder Schlüssel zu verwenden, die sie für die Tat beschafft hatten.

 

20% gaben an, vor der Tat die Kabel von Telefonen oder Alarmanlagen zu kappen.

 

Das am meisten genutzte Werkzeug von Einbrechern ist der Schraubenzieher, gefolgt von Brecheisen und Hämmern.

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Gibt es geschlechtsspezifische Unterschiede in Motivation, Auswahl des Zieles und Technik?

 

Zwischen männlichen und weiblichen Straftäter gab es einige große Gemeinsamkeiten, aber auch einige signifikante Unterschiede.

 

Männliche Täter planten die Taten häufiger und gründlicher und waren eher bereit potentielle Ziele vorher zu besuchen und auszuspähen.

 

Weibliche Täter begangen eher impulsive Taten. Dies scheint daran zu liegen, dass bei weiblichen Tätern die Drogenabhängigkeit mit 70% der Hauptgrund für die Tat war, während bei männlichen Tätern die Bereicherung im Vordergrund stand.

 

Während Frauen eine Vorliebe dafür hatten Nachmittags in Wohnungen und Häuser einbrachen, bevorzugten männliche Täter Ladengeschäfte in den späten Abendstunden.

 

Frauen verbrachten signifikant weniger Zeit mit der Planung. Sie nutzen häufiger eine spontane Gelegenheit zur Tat.

 

Das Effekt der Abschreckung durch Alarmanlagen hatte

 

Männer ließen sich eher durch die Abwesenheit von Verstecken und Fluchtwegen abschrecken, währen Frauen eher Gebäude mit sichtbaren Alarmanlagen oder Hinweisen auf Nachbarschaftsprojekte mieden.

 

Generell gab es aber keine all zu großen Unterschiede zwischen den Geschlechtern, was die Abschreckung durch Sicherheitstechnik anging. Außer dass Männer tendenziell etwas mehr dazu bereit waren, Alarmanlagen außer Gefecht zu setzen, wenn sie sie erkannten.

 

Einen eindeutigen Unterschied zwischen den Geschlechtern gab es bei der Wahl der Mittäter. Währen Frauen die Taten hauptsächlich mit Ihrem Lebenspartner begangen, wählten Männer hauptsächlich Freunde als Komplizen.

 

Auch bei der Beute gab es Unterschiede. Während das Männer hauptsächlich Bargeld, illegale Drogen und Schmuck stahlen, stahlen Frauen vermehrt verschreibungspflichtige Medikamente.

 

Zusammenfassung

 

  • Ein großer Teil der Einbrecher begeht die Straftaten aufgrund von Alkohol- oder Drogenabhängigkeit und plant ihre Taten nicht ausgiebig.
  •  Unabhängig davon ob eine Tat geplant wurde oder nicht waren sichtbare Sicherheitssysteme, die Anwesenheit von Personen oder Hunden und Fahrzeugen die häufigsten Ausschlusskriterien für einen Einbruch.
  •  Lediglich 8% würden eine Alarmanlage aktiv manipulieren. 10% gaben an, unabhängig von der Anwesenheit einer Alarmanlage einen Einbruch zu begehen. Über 40% würden einen begonnenen Einbruch abbrechen, wenn ihnen Sicherheitstechnik auffallen würde.
  •  Am häufigsten wird über Türen und Fenster eingebrochen. Das Knacken von Schlössern oder verwenden von Schlüsseln ist eher selten.
  •  Männer brechen eher in Ladengeschäfte ein um sich Geld, Drogen oder Wertgegenstände zu beschaffen. Frauen wählen eher Wohnhäuser als Ziel. Bei ihnen steht die Beschaffung verschreibungspflichtiger Medikamente im Vordergrund.

 

Schlussfolgerung

 

Ob eine Untersuchung zu diesem Thema aus den USA auch 1:1 auf Deutschland übertragen werden kann, kann ich nicht sicher sagen.

 

Außerdem ist dies eine Befragung von Personen, die erwischt wurden. Daraus kann man also nicht direkt auf das Verhalten von Personen schließen, die Einbruchsdiebstähle evtl. schon jahrelang und nach wie vor erfolgreich und regelmäßig durchführen.

 

Dennoch scheint die alte Wachmannweisheit der 3L („Lärm, Licht, Leute“) nach wie vor eine gut funktionierende Richtlinie zu sein um Diebstahl und Einbrüche zu verhindern.

 

Sichtbare Sicherheitstechnik* und vor Ort anwesendes Personal kann die Chance um ein Vielfaches erhöhen, dass sich ein potentieller Täter ein anderes Ziel sucht.

 

Quelle:

Understanding Decisions to Burglarize from the Offender's Perspective - University of North Carolina at Charlotte (Direktlink zur Studie als pdf)

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