Arbeiten im privaten Sicherheitsgewerbe

 

 

Wahrscheinlich kennst du Sicherheitsmitarbeiter nur als Türsteher vor Diskotheken oder bei Veranstaltungen oder als „Schrankenbediener“ am Tor eines Industriewerks. Doch die Welt der privaten Sicherheit ist weitaus umfangreicher.

 

Wer in dieser Branche seine Berufung findet, bereit ist Leistung zu bringen und sich weiterzubilden hat viele abwechslungsreiche Berufsfelder zur Auswahl die sich vom Gehalt her durchaus mit dem eines normalen Angestellten in der Industrie vergleichen lassen. In einigen Bereichen sind die Gehälter sogar deutlich höher

Wachmann – Das kann doch jeder!?

 Diese Aussage hört man häufig. Am häufigsten von Personen, die keinerlei Kenntnisse von der Branche haben und nie dort gearbeitet haben. Zuerst ist klarzustellen, dass die Berufsbezeichnung „Sicherheitsmitarbeiter“ lautet. Außerdem gibt es nicht nur Männer in der Branche, sondern auch Frauen. Frauen werden übrigens überall händeringend gesucht.

 

Selbst verständlich ist das private Sicherheitsgewerbe eine Branche, in der du weder Abitur noch Studium brauchst um einsteigen zu können. Die gesetzlichen Mindestvoraussetzungen sind in der Tat gering.

 

Wenn du keine Vorstrafen hast, nie wegen Suchterkrankungen zu einer Zwangsmaßnahme verurteilt wurdest und in der Lage bist einer 40-stündigen Unterrichtung bei der IHK zu folgen, kannst du auf der untersten Stufe im Wachgewerbe anfangen.

 

Die Arbeitsbedingungen und Gehälter auf dieser Einstiegsstufe sind zugegebenermaßen nicht die besten. Auf Dauer ist ein Arbeitsverhältnis auf diesem Level nicht empfehlenswert. Wenn du nur als Teilzeitkraft arbeiten möchtest, oder erst einmal in das Gewerbe einsteigen möchtest um erste Erfahrung zu sammeln, steht dem nichts im Wege.

 

Längst nicht jeder, der die geringen gesetzlichen Mindestvoraussetzungen erfüllt ist auch tatsächlich geeignet in dieser Branche zu arbeiten. Genauso wie nicht jede Person, die eine Ausschankkonzession und eine Belehrung beim Gesundheitsamt hat, in der Lage ist ein Lokal zu führen.

Persönliche Voraussetzungen

 

Viel wichtiger als die formellen Kriterien ist deine persönliche Eignung, dein Charakter und deine Berufseinstellung als Servicekraft.

 

Folgende Eigenschaften sollte ein Sicherheitsmitarbeiter mit bringen:

 

 

Innere Ruhe und ein positives Selbstwertgefühl

 

Du solltest eine gelassene und selbstsichere Art haben. Personen mit schwachen Selbstwertgefühl neigen dazu entweder zu zögerlich vorzugehen oder (noch viel schlimmer) arrogant und überheblich zu reagieren. Beide Verhaltensweisen können Konflikte erzeugen. Während man eine schüchterne Person aber aufbauen und ausbilden kann, ist es sehr schwer überhebliche Personen auf den Boden zu bringen. Solltest du also etwas ruhiger sein ist das kein Problem. Wenn du dich schnell provozieren lässt und leicht wütend wirst, dann solltest du dir ein anderes Tätigkeitsfeld suchen. Denn mit Provokationen und dummen Sprüchen ist man im Sicherheitsbereich täglich konfrontiert. Nicht jeder kann damit richtig umgehen.

 

 

Einfühlungsvermögen / Soziale Kompetenz

 

In der Ausbildung wirst du lernen, warum manche Menschen aggressives Verhalten an den Tag legen oder unter Stress unpassend reagieren. Doch nur Theorie alleine ist nicht ausreichend. Du muss in der Lage sein, dich in andere Personen hinein zu versetzen. Wenn du verstehst, was sie antreibt, kannst du ihr Verhalten steuern und Konflikte deeskalieren.

 

 

Flexibilität

 

Die Arbeit im Wachgewerbe unterliegt ständigen Veränderungen. Oft ist es notwendig auch mal an freien Tagen einzuspringen oder bei Einsätzen auszuhelfen, auf die man nicht perfekt vorbereitet ist. Beamtenmentalitäten sind hier fehl am Platz. Es sollte dir Spaß machen, immer wieder neue Herausforderungen anzunehmen. Denn jeder Arbeitsplatz ist anders.

 

 

Durchsetzungsvermögen

 

Regelmäßig wirst du es mit Nörglern oder streitlustigen Menschen zu tun haben. Manchmal sogar mit offenen Provokationen oder gar Straftaten. Du musst nicht nur in der Lage sein, Konflikte vor ihrem Entstehen zu deeskalieren, sondern im Ernstfall auch das Hausrecht durchsetzen. Dabei wirst du auf verbalen und manchmal auch körperlichen Widerstand stoßen.

 

 

Teamfähigkeit

 

Kein Mensch hat all diese Fähigkeiten zu 100%. Deshalb ist es wichtig, dass du in der Lage bist im Team zu operieren. Manche können sich besser durchsetzen, manche sind besser beim deeskalieren und manche können besser mit der Technik umgehen. Wieder andere können Fremdsprachen. Erst im Team treten all diese Stärken hervor und die Schwächen verschwinden. Einzelkämpfer haben in dieser Branche nichts verloren.

 

 

Die richtige Einstellung zum Beruf

 

Nichts ist in der Sicherheitsbranche so wichtig wie dieser Punkt. Lange Zeit war die Sicherheitsbranche eine Art Abstellgleis für Personen, die in anderen Berufen gescheitert sind oder aufgrund von gesundheitlichen Einschränkungen nur noch „an der Schranke arbeiten konnten“. Diese Zeiten sind vorbei. Heute ist Sicherheit eine komplexe Dienstleistung, die mit qualifiziertem Personal und hochwertiger Technik arbeitet. Selbst Ordnungsbehörden wie die Polizei haben in vielen Bundesländern bereits bestimmte Aufgaben an private Sicherheitsmitarbeiter abgegeben.

 

Wenn man einen guten Arbeitgeber gefunden hat ist Sicherheitsmitarbeiter ein Beruf, den man nicht halbherzig ausüben kann. Ähnlich wie bei der Polizei, Feuerwehr oder im Rettungsdienst ist dieser Beruf nicht immer leicht. Wechselschichtdienst (auch Nachts, an Wochenenden und an Feiertagen), häufig wechselnde Einsatzorte und Überstunden sind der Standard und keine Ausnahme. Wer diese Tätigkeit mit Leidenschaft ausübt, dem machen diese Härten weniger aus.

 

Im Wort Sicherheitsdienst liegt das Wort „dienen“. Rein rechtlich ist ein Sicherheitsmitarbeiter der „Besitzdiener“ seines Auftraggebers. Wie bei Polizeibeamten oder beim Militär muss das Dienen und der Servicegedanke für dich kein fauler Kompromiss sein, sondern muss dir Freude machen. Dann kannst du in dieser Branche nicht nur einen Job, sondern eine Berufung finden.

 

 

Die Ausbildung

Nach der Unterrichtung nach §34a Gewerbeordnung (GewO) hast du nur den ersten Schritt in die Branche getan und befindest dich auf dem Level eines Hilfsarbeiters.

 

Das ist nicht negativ gemeint. In jeder Industrie und in jeder Branche gibt es einfache Tätigkeiten zu denen man schnell eingewiesen wird und loslegen kann. Ohne Lagerhelfer, Bauhelfer, Pflegehelfer oder einfache Kraftfahrer (ich meine nicht ausgebildete Berufskraftfahrer) würden manche Branchen zusammenbrechen. Im Bewachungsgewerbe sieht dies genauso aus. Auf diesem Level kannst du erste Erfahrung sammeln und sehen, ob dir die Tätigkeit an sich überhaupt liegt. Große Gehälter und die anspruchsvollen Jobs darfst du dort allerdings nicht erwarten.

Auf der nächsten Seite findest du eine Übersicht über alle Ausbildungsstufen im Sicherheitsgewerbe. Von der Hilfskraft, über die dreijährige Berufsausbildung Fachkraft für Schutz und Sicherheit, bis hin zum Meister für Schutz und Sicherheit und Hochschulstudiengängen.

 

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